Course No.: 848455
Teaching: Christoph Opperer & Karolin Schmidbaur & Gilbert Sommer

In diesem Entwerfen suchen wir nach einer städtebaulich-architektonisch- (und gesellschaftlich) -en Vision für ein Gebäude als hierarchielose, architektonische Struktur.

Wenn wir den Menschen als zugleich in Ordnung und Ordnungsschaffung gefangen begreifen, dann folgt, dass er durch die aktive Gestaltung seiner selbst, seiner Beziehung zur Ordnung, Einfluss auf die Natur der Ordnung nehmen kann. Die Art der Gestaltung bestimmt die Qualität der Ordnung, so wie Ordnung zunächst zu einer Art der Gestaltung führte.

Während wir uns bewusst sind, dass jede Ordnung oder Organisation ein gewisses Maß an Hierarchie benötigt, interessiert uns im Sinne der Fragstellung, wie “weiche” räumliche Hierarchien im Sinne von graduellen Abstufungen und variierenden Durchlässigkeiten geschaffen und etabliert werden können. Funktioniert – im Sinne einer top-down und bottom-up Strategie – eine Koppelung von Hierarchie und nicht-Hierarchie, indem geometrisch-formal hierarchielose Struktur und Masse durch Oberflächenstrukturierung hierarchisch gegliedert wird? Kann das städtebaulich hierarchische Prinzip von Achsen mit dem Feld als hierarchielose Struktur verschränkt werden? Können hierarchische und feldähnliche Strukturen auf unterschiedlichen baulichen Ebenen oder auf unterschiedlichen Maßstabsebenen der städteräumlichen und/oder baulichen Struktur ineinandergreifen?

Im Spannungsfeld zwischen Hierarchie und aktivem, offenem System konzentriert sich das Entwerfen auf einen prozessorientierten Ansatz, bei dem unterschiedliche Maßstäbe, Medien und Einflussfaktoren einbezogen werden, sodass komplexe ästhetische, räumliche und konstruktive Ideen entstehen und reifen können, bis zur Umsetzung in eine konkrete, materialisierte Realität.

Das Ziel des Semesters ist der Entwurf eines hybriden Gebäudes zwischen Akademie, Bibliothek, Museum und öffentlichem Bewegungsraum. Die neue Gebäudestruktur soll die Idee demokratischer Systeme aufgreifen und räumlich abbilden, und so auch im städtebaulichen Maßstab das streng hierarchisch konzipierte und durch Achsen, Ein- und Ausgrenzung, Macht und Peripherie definierte Kaiserforum brechen und in einen zeitgemäßen, fluiden, aktiven und offenen Ort verwandeln.

Erstes Treffen und Präsentation Step 1: Donnerstag, 2. Oktober 2025 um 10:00 Uhr am Hochbau Institut.