Course No.: 848436

Teaching: Karolin Schmidbaur & Gonzalo Vaillo & Martin Zangerl

Das House of Affects untersucht den Architekturentwurf als eine relationale und performative Praxis. Affekt wird hier als die Fähigkeit von Entitäten—menschlich und nicht-menschlich, materiell und immateriell—verstanden, einander zu beeinflussen und beeinflusst zu werden, wodurch dynamische Netzwerke der Interaktion entstehen. Diese Perspektive stellt die traditionelle Vorstellung des Architekten als singulären Autor infrage und verortet Entwurf und Nutzung stattdessen in einem Geflecht aus voneinander abhängigen Akteuren und Kräften.

Architektur wird nicht als statische Komposition von Formen betrachtet, sondern als ein System von Beziehungen, das aus dem Zusammenspiel verschiedener Akteure hervorgeht, darunter menschliche und nicht-menschliche Nutzer, Materialien, Technologien, sowie umfassendere soziale, ökologische und politische Kontexte. Das Studio betont einen menschen-dezentrierten Ansatz, bei dem die Rolle des Architekten darin besteht, Bedingungen für Interaktionen zu schaffen—Rahmen, die es diesen Akteuren ermöglichen, sich zu kohärenten und adaptiven architektonischen Choreografien zusammenzuschließen.

Auf diese Weise wird Architektur als ein performatives System verstanden, das auf die Interaktionen und Affekte reagiert, die es konstituieren. Das Studio lädt ein, zu untersuchen, wie sich Architektur als ein aktives und offenes System entwickeln kann, das sich mit den Komplexitäten seiner Kontexte und der Vielfalt seiner Akteure auseinandersetzt. House of Affects ermutigt zu einer spekulativen und kritischen Neubetrachtung der architektonischen Praxis und positioniert Architektur als einen Ort der Verhandlung, Transformation und Interaktion. Ziel ist es, ein Verständnis des Entwurfes als einen Prozess zu fördern, der tief in den relationalen und performativen Dimensionen der zeitgenössischen Welt verankert ist.

Trotzdem entsteht als Ergebnis konkrete, materialisierte Architektur, die sich den grundsätzlichen Anforderungen und Beurteilungen eines “Gebäudes” stellt.

Prozess

Thema – Mittel – Entwurf (Warum – Wie – Was)

Das Studio ist um einen triadischen Rahmen von Thema, Mittel und Entwurf organisiert, die zusammen drei miteinander verbundene Dimensionen des architektonischen Entwurfsprozesses darstellen. Diese Dimensionen—Warum, Wie und Was—stehen in ständigem Dialog miteinander und bilden eine kohärente Struktur, die Theorie, Strategie und Ausführung in eine umfassende Entwurfsmethodik integriert. Dieser Ansatz fördert ein iteratives Verständnis von Architektur, bei dem jedes Element das andere informiert und beeinflusst, wodurch eine dynamische und anpassungsfähige Gestaltungsumgebung entsteht.

Das Ziel des Studios ist es, einen eigenen thematischen Fokus und eine individuelle Entwurfsmethodik zu entwickeln, und diese in konkrete architektonische Prototypen—das Haus of Affects—als relationale und performative Systeme zu übersetzen.

Erstes Treffen und Präsentation von Aufgabe 1: Donnerstag, 2. Oktober 2025, um 10:00 Uhr im Hochbau-Institut.