Course No.: 848410
Teaching: Paul Kappeler, Christiane Marmsoler, Simon Oberhammer
ALMOST NOT
touching the ground
(…) Und unsere Städte?
Mauern, Mauern, Mauern.
Wir wollen keine Mauern mehr, Kasernierungen des Körpers und des
Geistes, diese ganze Kasernenkultur mit oder ohne
Ornamenten, wir wollen:
Umwandlung des sphärischen Raumes in Städte
Uns von der Erde loslösen, Aufgabe der statischen Achse
Keine Mauern, keine Fundamente
Ein System von Spannungen (tension) im freien Raume
Schaffung neuer Lebensmöglichkeiten und durch sie Bedürfnisse,
die die Gesellschaft umbilden.(…)1
Diese Worte schrieb der österreichische Architekt Friedrich Kiesler im April 1925 in Paris. Er hat dabei formuliert, was schon viele Ingenieure und Architekten erträumt haben: unter anderem Otto Lillienthal, Graham Bell, Konrad Wachsman, Peter Cook von Archigram, Constant Niewenhuys…… Alle haben das Loslösen vom Boden oder Schweben imaginiert. Das hat zu leichten Konstruktionen, weiten Spannweiten und kühnen Strukturen geführt. Viele davon sind nicht gebaut sondern nur erträumt und gezeichnet worden. Wie kann man bauen (fast) ohne den Boden zu berühren? Welche Konstruktionen sind nötig, um weit zu spannen? Welche Details sind wirksam, um die fliegende Kräfte an wenigen Punkten in den Boden zu leiten? Startpunkt bilden die Knoten und Details der genannten Konzepte, Manifeste und Konstruktionen. Wir beginnen mit dem Detail, um seine Bedeutung zu Anfang des Architekturstudiums ins Bewusstsein zu bringen. Daraus entwickeln wir über verschiedene Transformationen – geometrisch, formal, maßstäblich und materialhaft – ein architektonisches Raumgefüge, das die gestellte Aufgabe bewältigen soll. Der zweite, wichtige Pol unseres Arbeitsbereiches ist das Experiment, das wir als ergebnisoffenen Entwurfsprozess definieren. Das wechselseitige Arbeiten zwischen analytischem und assoziativem Denken, Modellieren, Musterfindung und Synthese sind Methoden des experimentellen Entwurfes, die wir iterativ erlernen. Seine Werte sind Praktikabilität, Erfindungsgeist, Mitgefühl, Hingabe und Angemessenheit. Ist doch Architektur von Erfahrbarkeit und Benutzbarkeit nicht zu trennen.
Kickoff: 2.10.2025 09:00 Foyer Architekturgebäude